Research Update

Wir haben die Research-Inhalte unserer Internetseite mit den Daten vom 28. Februar 2020 aktualisiert. Die interessantesten Punkte sind unten zusammengefasst.

Grafik im Fokus

Eine fundamentale Standortbestimmung...

  • Seit dem Ende der Finanzmarktkrise in 2009 kennen die weltweiten Aktienmärkte vielerorts nur eine Richtung: aufwärts.
  • Insbesondere der S&P 500 erfreute die Anleger über den aktuellen Bullenzyklus seit 2009 mit Wertzuwächsen von insgesamt knapp 400% und dies ohne nennenswerte Korrekturen.
  • Wenngleich Bullenmärkte in der Vergangenheit mitunter noch länger andauerten und zum Teil auch mit größeren Wertzuwächsen einhergingen, wird die Luft dünner.
  • Aus einem einfachen Grund: seit 1870 dauerten Bullenmärkte im Mittel lediglich 8 Jahre bei 333% Wertzuwachs.

  • Ist Corona damit der Auslöser einer ohnehin überfälligen Korrektur?

  • Die Aktienkursentwicklung wird langfristig primär von der Gewinnentwicklung der Unternehmen geprägt.
  • Seit 1969 sind die US-Aktienkurse jedoch um 39% stärker gestiegen als die Unternehmensgewinne. Diese Diskrepanz resultiert insbesondere aus den unverhältnismäßig starken Kurssteigerungen seit 2012:
  • Dies schlägt sich in hohen Bewertungen nieder: selbst nach den Korrekturen notieren US-Aktien mit einem Shiller-CAPE von 27,9 und einem KBV von 3,2 noch weit über ihren langfristigen Durchschnitten.
  • In den letzten 130 Jahren folgten auf vergleichbare Bewertungen im Mittel jährliche Wertsteigerungen von 3% über die folgenden 10-15 Jahre.
  • Auf Sicht von 12 Monaten wären erst Kurse von unter 2.200 Punkten so ungewöhnlich, dass sich Investitionen aus fundamentaler Sicht aufdrängten:
  • Bei europäischen und asiatischen Aktienmärkten zeigt sich ein deutlich attraktiveres Bild. So zeigt bspw. der DAX weder technisch noch fundamental Überhitzungszeichen. Der letzte Bullenzyklus währt gerade einmal 1 Jahr:
  • Mit einem Shiller-CAPE von 16,7 und einem KBV von 1,5 sind deutsche Aktien gerade einmal halb so hoch bewertet wie US-amerikanische.
  • Auf vergleichbar attraktive Bewertungen folgten in der Aktienmarktgeschichte langfristig im Mittel jährliche Wertsteigerungen von über 7%, was einem DAX von 44.000 Punkten in 15 Jahren entspräche.
  • Auch kurzfristig überwiegen die Chancen: Auf vergleichbare Bewertungen folgten im Mittel Renditen von 12% über die folgenden 12 Monate. Nur in 25% aller Beobachtungsperioden folgten auf vergleichbare Bewertungen Rückschläge von unter -2% (=11.700 Punkte) und nur in 1 von 10 Jahren wurden Rückschläge von unter -12% beobachtet (=10.400 Punkte)
  • Insbesondere in Anbetracht des langfristigen Aufwärtspotentials, sind Kurse von unter 11.700 Punkten, spätestens unter 10.400 Punkten aus fundamentaler Sicht klare Kaufkurse.


 

Aktienmarktbewertung

Wir analysieren monatlich die Bewertungsniveaus verschiedener Länder und Regionen. Basis bildet ein internationales Aktienuniversum aus ca. 6.500 Unternehmen.

  • Notierten Anfang des Jahres noch 38 von 40 Aktienmärkten oberhalb ihrer 26-Wochen-Kursdurchschnitte, hat der Corona-Ausbruch das Bild umgekehrt: 37 von 40 Märkten notieren aktuell darunter, nur noch 3 darüber. Überaschenderweise wiedersetzt sich vor allem das am stärksten betroffene Land China diesem Trend und führt das Ranking nach relativer Stärke an.
  • Mehrzahl der Aktienmärkte durch Kursrückschläge attraktiver geworden: Über die letzten Jahrzehnte wurden die Aktienmärkte im Mittel mit einem CAPE von 18,3 und einen KBV von 1,8 bewertet. Aktuell notieren lediglich 9 von 40 Aktienmärkten über diesen Durchschnittswerten. 18 von 40 Aktienmärkte sind unterbewertet, die restlichen zeigen uneinheitliche Bewertungen.
  • Regionen-Ranking nach Shiller-CAPE: Emerging Markets und Europa vorn, USA abgeschlagen:
    • Osteuropa: 8,6
    • BRIC: 14,6
    • Emerging Markets: 14,6
    • Asien (EM): 15,1
    • Deutschland: 16,7
    • Europa (DM): 17,5
    • Amerika (EM): 18,7
    • Welt: 21,8
    • Entwickelte Märkte: 23,1
    • USA: 27,9

  • Ranking der günstigsten Länder nach:
  • CAPE KBV KCV Div.Rendite
    Russland (6,9) Griechenland (0,8) Türkei (4,1) Russland (7,4%)
    Türkei (7,6) Russland (0,9) Russland (4,2) Tschechien (6,5%)
    Tschechien (8,9) Polen (0,9) Ungarn (4,2) UK (5,0%)

Interaktive Karte: Aktienmarktbewertungen
 

Renditeerwartungen

  • Welche Aktienmarktrenditen können Anleger langfristig auf Basis der fundamentalen Bewertung erwarten (real):
    • Weltaktienmarkt: 5,6% p.a.
    • Europa: 6,9% p.a.
    • Deutschland: 7,4% p.a.
    • USA: 3,0% p.a.
    • Emerging Markets: 7,8% p.a.

  • Etablierte Länder mit höchsten Renditeerwartungen: Südkorea (10,5%), Singapur (9,5%), Österreich (8,9%)
  • Etablierte Länder mit niedrigsten Renditeerwartungen: USA (3,0%), Dänemark (3,2%), Irland (3,8%)
Details: Aktienmarktpotential
 

  • Welche Aktienmarktrenditen können Anleger Basis der fundamentalen Bewertung über langfristige Zeiträume von über 10 Jahren erwarten (real):
    • Weltaktienmarkt: 6,0% p.a.
    • Europa: 7,3% p.a.
    • USA: 3,4% p.a.
    • Emerging Markets: 8,1% p.a.

  • Etablierte Länder mit höchsten Renditeerwartungen: Südkorea (11,1%), Singapur (10,3%), Österreich (9,7%)
  • Etablierte Länder mit niedrigsten Renditeerwartungen: Dänemark (2,9%), USA (3,4%), Irland (4,2%)

Details: Aktienmarktpotential
 

Value-Zyklus

Auf Basis des Fama und French HML-Faktors (High Minus Low) berechnen wir die Value-Prämien für die wichtigsten Regionen.

  • Längste Value-Dürre in Aktienmarktgeschichte: Value-Aktien enttäuschen seit Jahren im Vergleich zu Wachstumsaktien. Dies gilt nicht nur für den US-Markt, sondern für alle großen Regionen.
  • Allein im letzten Jahr blieben globale Value-Aktien 12% und europäische Value-Aktien 13% hinter Wachstumswerten zurück (MSCI), obwohl dies fundamental kaum gerechtfertigt scheint. Denn sowohl global, wie auch in Europa als auch in den Emerging Markets fiel das EPS-Wachstum bei Wachstumsaktien im Jahr 2019 um über 4% geringer als im Value-Segment aus.
  • Die Outperformance von Wachstumswerten ist im Jahr 2019 damit ausschließlich auf eine Bewertungsausweitung zurückzuführen und diese erreicht mittlerweile in einigen Regionen wie Europa historische Extremwerte.
  • Seit 1974 zahlten Investoren für Wachstumsaktien im Mittel einen Aufschlag von 78% im Vergleich zu Value-Aktien. Auf dem Höhepunkt der New Economy-Blase im Frühjahr 2000 zahlten Anleger kurzzeitig extreme Aufschläge von 155%. Ende Januar notiert diese Prämie im MSCI Europa auf dem Rekordwert von 169%!
  • Da sich die Bewertungen allein schon theoretisch nicht endlos ausdehnen können, wäre eine langfristige Gegenbewegung mehr als überfällig.
  • Details und Hintergründe haben wir für Sie ins unserer Studie Das vermeintliche Ende der Value-Prämie aufbereitet.
  • Die Value-Prämien über ein Jahr in den wichtigsten Regionen tief negativ:
    • Global: -9,4% p.a.
    • USA: -8,8% p.a.
    • Europa: -9,1% p.a.
    • Japan: -10,2% p.a.
StarCapital - Norbert Keimling

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Norbert Keimling
Leiter Kapitalmarktforschung
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